Frau Rossi: Ein Nachruf

Im Sommer 2007 erhielten wir an einem Sonntag mittags den Anruf einer Nachbarin. Sie meinte „Sie arbeiten doch im Tierheim“ und berichtete von einem kleinen „Kätzeli“, das sich seit einigen Tagen immer wieder in ihrem Garten blicken lässt, aber offenbar niemandem gehört. Zunächst habe es das angebotene Futter gierig verschlungen, nur seit wenigen Tagen würde es kaum noch was fressen. Wir möchten doch bitte nachsehen, ob es vielleicht krank sei.

Wir überzeugten die Tierfreundin, dass wir hierzu das Kätzchen zur Untersuchung mit ins Tierheim nehmen müssen. Da es sich ja nach ihrer Aussage lediglich um ein kleines Tier handelte, sind wir mit einem Transportkäfig für Kaninchen angerückt, um den kleinen Rumtreiber einfangen zu können. Die Katze war zunächst recht scheu und lief immer wieder vor uns Fremden weg, aber irgendwann ließ sie sich doch einfangen. Da sie an dem heißen Tag im Auto auf dem Weg ins Tierheim in der leider doch sehr engen Box so kläglich miaute, öffneten wir den Deckel und sie machte es sich im Fußraum bequem. Aufgrund der rot/weißen Färbung nahmen wir an, dass es sich um ein Katerchen handeln musste und beschlossen, ihn „Herr Rossi“ (in Anlehnung an die alte Zeichen- trickserie „Herr Rossi sucht das Glück“, siehe hier ) zu nennen. Noch bevor wir am Ziel waren, nahm Herr Rossi eine typische Stellung ein und setzte uns ein übel stinkendes, sehr dünn- flüssiges Häufchen in den Fußraum, so dass wir das Tierheim nur noch mit weit geöffneten Autofenstern erreichen konnten.

Eine erste Untersuchung durch unsere Katzenexpertinnen ergab, dass es sich bei dem „jungen Katerchen“ um eine abgemagerte Kätzin mit nur noch drei Zähnen handelte, die später von unserer Tierärztin aufgrund ihres schlechten Allgemeinzustandes auf mindestens 15 Jahre geschätzt wurde. Außerdem hatte sie Milben und ihr Magen vertrug die ersten Tage selbst das leckerste Katzenfutter nicht. Das war auch kein Wunder, schließlich hatte sie sich zuletzt nicht gerade gesund ernährt, denn sie bekam ungesunde „Menschenkost“ zu fressen. Da der Name nun nicht mehr passte, wurde aus Herr Rossi schließlich kurzerhand Frau Rossi!

Nach wenigen Wochen schlug die Behandlung unserer Tierärztin und die aufopferungsvolle Pflege unserer Angestellten und Helfer endlich an, ihr Gesundheitszustand verbesserte sich zusehends. Leider blieb der letzte Zahn auch noch auf der Strecke, bzw. ist einfach ausgefallen, aber das schien ihr nichts auszumachen. Sie fraß auch ohne Zähne weiter und hatte ständig Hunger!

Zwischenzeitlich war sie für ein paar Wochen bei unserer Pflegestelle für Problemfälle und alte Katzen untergebracht. Doch dort konnte sie nicht bleiben; sie ertrug es nicht, bei den vielen anderen Katzen nur die „zweite Geige“ zu spielen und wurde unsauber. So kam Frau Rossi wieder zurück und war ab sofort unbestritten die Königin in unserem Tierheim.

Sie entschied natürlich selbst, wer ihr nahe kommen durfte und wer nicht. Sie wohnte auch nicht in einem der beiden Katzenräume, sondern residierte nur an den schönsten Plätzen in Küche, Büro oder Außenbereich. Inzwischen trug sie stolz ein leuchtendes Halsband und begrüßte häufig neugierig Besucher bereits am Eingang und begleitete sie beim Gang über das Tierheimgelände. Bei unserem Flohmarkt im Herbst 2007 wurde sie uns mehrfach von Besuchern als vermeintliche Ausreißerin „zurückgebracht“, ohne sich gegen die Handgreiflichkeiten durch die ihr fremden Menschen zu wehren.

Im Gegenteil, sie hat es eindeutig genossen, im Mittelpunkt zu stehen und erfreute sich sehr an der täglichen Abwechslung im Tierheim. Sie hat sich auch mit den anderen „Dauergästen“ im Tierheim (z. B. Jakob, Polonius, Großer) gut verstanden. Wie alt sie wirklich war, haben wir leider nie erfahren. Von uns aus hätte sie bei uns, und wir mit ihr, durchaus noch ein paar schöne Jahre zusammen verbringen können. Von Zeit zu Zeit trieb sie jedoch ihre Neugier auch immer mal aus dem Tierheim heraus. Das wurde ihr schließlich zum Verhängnis, denn an einem Wochenende im August 2009 kam sie von einem Ausflug nicht mehr heim und wir fanden sie (bzw. das was von ihr übrig blieb) überfahren am Straßenrand in der Nähe unseres Tierheims.

Wir sind alle schockiert und tieftraurig und sagen Arrividerci und vielen Dank, Frau Rossi.

Eine Gedenkplatte im Tierheim an einem deiner Lieblingsplätze soll ein Zeichen sein, dass wir uns immer an dich erinnern.

Im Namen des Vorstands und aller Helferinnen und Helfer
Martina und Jürgen Schmeißer

Wo bleibt das Mitgefühl?

Gedanken einer sterbenden, unbekannten Hauskatze

Es war ein regnerischer Tag, als ich von meinem Zuhause noch einmal einen Streifzug durch die große Wiese machen wollte. Der Rasen und die Büsche waren naß, und es war mir eigentlich doch zu ungemütlich, bei diesem Wetter noch draußen zu bleiben. Ich wollte so schnell wie möglich wieder nach Hause, denn nun fing auch schon wieder der Regen an.

Die breite Straße, die mich von meinem schönen, trockenen Zuhause trennte, schien mir leer, und der Asphalt glänzte vor Nässe.
Ich lief so schnell ich konnte los - doch das Auto war auf einmal da. So schnell kam es auf mich zu. Die Scheinwerfer blendeten meine Augen - und plötzlich spürte ich einen schlimmen, ganz schlimmen Schmerz. Ich wurde durch die Luft geschleudert und fiel mit meinem Körper auf die Kante der Straße, die dort angebracht war, weil da ein Rasen und Bäume wuchsen.
Ich hatte so furchtbare Schmerzen, und ich hatte solche Angst. Als ich mein Köpfchen hob, sah ich das Auto, das mich angefahren hatte, und ich konnte es nicht verstehen: es fuhr weiter. Es fuhr einfach weiter und ließ mich hier liegen! Und ich hatte doch solche Schmerzen!

Ich versuchte aufzustehen, doch es ging nicht. Mein Hinterbein tat so schrecklich weh, und auch das Luftholen fiel mir furchtbar schwer. Jetzt fing es auch noch ganz stark zu regnen an, und ich spürte, wie sich um mich herum eine Pfütze bildete. Das Wasser auf der Straße wurde immer höher und ich hatte kaum noch Kraft, meinen Kopf hochzuhalten. Wasser lief in meine Nase, lief in meinen Mund, und es tat so furchtbar weh!

Autos fuhren an mir vorbei. Es waren viele Autos, und immer wieder versuchte ich, mein Köpfchen zu heben, damit die Menschen, die in den Autos fuhren, sehen konnten, daß ich Hilfe brauche - doch keiner hielt an.
Ich weinte vor Schmerzen, doch niemand sah meine Tränen. Niemand war da, sie fuhren alle an mir vorbei. Ich fühlte, daß mein Leben zu Ende ging, und ich wollte doch gar nicht sterben! Ich war doch immer lieb gewesen! Ich habe doch so gern mit den Menschen geschmust und sie nie gekratzt. Ich habe doch auch meinen kleinen Menschenfreund mit seinen Eltern rechtzeitig geweckt, als das Feuer ausgebrochen war! Habe ich mich nicht immer mit Zärtlichkeiten bedankt und meine Liebe zu den Menschen gezeigt, weil ich ihnen so vertraute?

Ich fing an zu frieren. Es war so kalt, und ich hatte so entsetzliche Schmerzen! Warum, ihr Menschen, fahrt ihr alle an mir vorbei? Warum helft ihr mir denn nicht? Ich möchte noch nicht sterben! Ich bin doch erst drei Jahre alt! Ich weiß nicht, wie lange ich in dieser nassen Pfütze gelegen habe. Ich wurde auf einmal ganz müde.
Ich versuchte, mein Köpfchen aus der Pfütze herauszuhalten, doch ich hatte keine Kraft mehr. Mein Kopf fiel ins Wasser zurück und ich dachte: "Jetzt ist es aus. Jetzt stirbst Du."

Da - auf einmal waren Menschen da. Sie streichelten meinen kalten Körper und hoben mich hoch. Ich wurde in eine Jacke eingewickelt und vorsichtig in ein Auto getragen. Ich freute mich, trotz meiner schlimmen Schmerzen, so sehr! Es gab doch noch gute Menschen, die mir helfen wollten. Sie fuhren mich zu einem Tierarzt, der ganz in der Nähe war, und ich versuchte ganz ruhig zu bleiben, damit ich meine Schmerzen besser ertragen konnte. Die Menschenfrau, die mich trug, streichelte mich unentwegt, die beiden Kinder im Auto weinten vor Sorge um mich, und die Fahrerin bemühte sich, vorsichtig zu fahren, damit ich keine Erschütterungen spürte.
Ich dachte an meine Familie zu Hause, an die guten Leckerchen, die ich immer bekam, und ich freute mich so sehr, daß man mir helfen wollte. Die fremden Menschen waren so besorgt, und wie gern wollte ich weiterleben in dieser Menschenwelt!

Ich hörte die Fahrerin sagen: "Endlich, wir sind da - jetzt wird alles gut!" - da wurde es um mich plötzlich dunkel und kalt, und ich spürte - es war zu spät! Ich hatte keine Kraft mehr in meinem Körper und fühlte keine Schmerzen mehr! In den Armen der fremden Frau schlief ich für immer ein, als sie mit mir an der Haustür des Tierarztes stand.

Danke, den Menschen, die mich nach endlos langer Zeit schwerverletzt mitnahmen, um mein Leben zu retten; danke den beiden Kindern, die vor Sorge um mich, eine unbekannte Hauskatze, weinten und Verachtung den Menschen, die so herzlos sind, an einem schwerverletzten Tier vorbeizufahren...

Die Geschichte stammt von Barbara Hickmann, sie ist leider nicht erfunden, sondern wirklich passiert

Das Testament eines Streuners

Während die Menschen sich die Köpfe über ihr Testament zerbrechen, haben die Streuner die Lösung längst gefunden. Wenn Menschen sterben machen sie ein Testament, um ihr Heim und alles was sie haben denen zu überlassen die sie lieben.

Ich würde auch solch ein Testament machen , wenn ich schreiben könnte.

Einem armen sehnsuchtsvollen, einsamen Streuner würde ich ich mein glückliches Zuhause hinterlassen, meinen Napf, mein kuscheliges Bett, mein weiches Kissen, mein Spielzeug und den geliebten Schoß, die sanft streichelnde Hand, die liebevolle Stimme, den Platz, den ich in jemandes Herzen hatte, die Liebe, die mir zu guter Letzt zu einem friedlichen und schmerzfreien Ende helfen wird, gehalten im liebenden Arm.

Wenn ich einmal sterbe, dann sag bitte nicht:
"Nie wieder werde ich ein Tier haben, der Verlust tut so weh"
Suche dir eine einsame, ungeliebte Katze aus, einen einsamen ungeliebten Hund und gib ihnen meinen Platz.

Das ist mein Erbe.
Die Liebe die ich zurücklasse, ist alles, was ich geben kann.

Verfasser unbekannt.